1. Einwilligung und Vorbereitung: Die Untersuchung findet nur statt, wenn du zustimmst.
Bevor etwas untersucht wird, erklärt dir die Ärztin oder der Arzt in Ruhe, was gemacht werden kann und warum. Du bekommst jeden Schritt verständlich erklärt und kannst jederzeit ablehnen. Es ist völlig in Ordnung, einzelne Untersuchungen abzulehnen oder zwischendurch abzubrechen.
Du kannst auch eine Person mitbringen, der du vertraust – zum Beispiel eine Freundin, einen Freund oder ein Familienmitglied. Diese Person darf dich begleiten, beim Gespräch und, wenn du möchtest, auch während der Untersuchung. In seltenen Fällen kann eine Begleitperson gebeten werden, draußen zu warten, die Gründe dafür werden dir aber erklärt.
In vielen Regionen gibt es außerdem die Möglichkeit, Spuren anonym sichern zu lassen. Du musst dich also nicht sofort entscheiden, ob du Anzeige erstatten möchtest. Die Beweise werden bis zu 10 Jahre sicher aufbewahrt , falls du dich später dafür entscheidest.
2. Erstgespräch und Anamnese: Informationen über die Tat und deine Gesundheit.
Zu Beginn führst du ein Gespräch mit einer medizinischen Fachperson. Dabei geht es darum zu verstehen, was passiert ist – so, wie du es erzählen kannst oder möchtest. Manche Fragen können unangenehm sein, aber sie helfen dabei, gezielt Spuren zu sichern. Auch dein allgemeiner Gesundheitszustand wird besprochen (z. B. Medikamente, Allergien usw.). Die Fachkräfte sind speziell geschult – sie nehmen sich Zeit und hören dir zu.
3. Untersuchung des Körpers: Sichtbare Verletzungen und Spuren auf Haut oder Kleidung.
Dein Körper wird vorsichtig auf äußere Verletzungen untersucht – zum Beispiel auf blaue Flecken, Kratzer oder Schwellungen. Wenn du noch Kleidung von der Tat trägst oder sie unberührt aufbewahrt hast, kann sie wichtige Spuren enthalten. Sie wird dann gesichert, ohne dass du sie reinigen musst.
Untersuchung des Intimbereichs?
Die Untersuchung findet nur statt, wenn es nötig ist und du damit einverstanden bist.
Wenn es zu körperlichem Kontakt kam (z. B. durch Penetration), kann auch der Intimbereich untersucht werden. Dabei wird geschaut, ob es Verletzungen gibt. Mit einem Wattestäbchen können Spuren gesichert werden (wie DNA oder Sperma). Das tut in der Regel nicht weh, kann aber emotional schwierig sein – deshalb wird alles so behutsam wie möglich gemacht. Auch hier gilt: Nur mit deinem Einverständnis. Es werden Spuren gesichert, die wichtig für eine mögliche Anzeige sein können – zum Beispiel Sperma, Hautpartikel oder Haare. Auch dein eigenes Blut oder Speichel kann vorsichtig entnommen werden – das hilft später dabei, fremde DNA zu erkennen.
4. Medizinische Vorsorge: Schutz vor Infektionen und ungewollter Schwangerschaft.
Sexualisierte Gewalt kann Krankheiten übertragen. Deshalb kann dir angeboten werden, dich auf Infektionen wie HIV, Hepatitis oder Chlamydien testen zu lassen. Falls nötig, bekommst du auch Medikamente – zum Beispiel eine sogenannte PEP, die eine HIV-Infektion verhindern kann, wenn sie frühzeitig genommen wird. Wenn du schwanger werden könntest, kann dir die „Pille danach“ angeboten werden. Sie wirkt am besten, wenn sie so früh wie möglich (spätestens nach 72 Stunden) eingenommen wird.
5. Nach der Untersuchung: Ärztliches Attest, Dokumentation und weitere Schritte.
Alle Ergebnisse werden in einem ärztlichen Attest dokumentiert. Wenn du anonym bleiben möchtest, werden die Spuren trotzdem gesichert – du kannst später entscheiden, ob du Anzeige erstattest oder nicht. Auch deine psychische Gesundheit ist wichtig: Nach einer solchen Untersuchung ist es völlig okay, wenn du dich überfordert fühlst. Es wird dir deshalb dringend empfohlen, dir Hilfe zu holen – z. B. bei einer Beratungsstelle oder in einer Therapie.
6. Nachsorge: Psychologische Unterstützung und medizinische Folgeuntersuchungen.
Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Viele Kliniken und Beratungsstellen helfen dir dabei, psychologische Unterstützung zu bekommen. Wenn du möchtest, kannst du auch später nochmal zur Nachuntersuchung kommen – z. B. um einen weiteren Test zu machen oder Medikamente zu überprüfen.
Wichtig zu wissen
- Du bestimmst über deinen Körper. Niemand darf dich zu etwas zwingen.
- Niemand wird dich verurteilen oder dir Vorwürfe machen.
- Diese Untersuchung kann helfen, Beweise zu sichern – falls du später eine Anzeige machen möchtest.
- Du hast das Recht, jederzeit Nein zu sagen.
Wenn du Fragen hast oder Unterstützung brauchst, kannst du dich jederzeit anonym an eine Beratungsstelle wenden. Du bist nicht schuld.